Bildungstag 2024 – Der Kiez entscheidet!
Wie fühlt es sich an, Stadtentwickler*in zu sein? Wie sieht ein Stadtteil aus, in dem sich wirklich alle wohlfühlen? Welche Orte inspirieren, welche brauchen Veränderung? Mit diesen Fragen beschäftigten sich die Teilnehmenden des „Bildungstags 2024 – Der Kiez entscheidet!“, der im November 2024 stattfand. Die Veranstaltung wurde vom Bildungsnetzwerk Graefekiez initiiert und vom LOA Sozial- & Kulturförderung e.V., ebenfalls Teil des Netzwerks, konzipiert und durchgeführt. Im Mittelpunkt des Bildungstags stand die Erfahrung der Selbstwirksamkeit – die Erkenntnis, dass jede*r eine aktive Rolle in der Gestaltung des eigenen Lebensumfelds spielen kann. Stadtteilentwicklung wurde nicht als abstrakte Theorie ermittelt, sondern als direkter, erfahrbarer Prozess, in dem persönliche Fähigkeiten, Interessen und Perspektiven sichtbar wurden.
Schüler*innen verschiedener Schulen – darunter das Hermann-Hesse-Gymnasium, die Lemgo-Grundschule, das Robert-Koch-Gymnasium und die Albrecht-von-Graefe-Schule – nahmen gemeinsam mit den Partner:innen „Koduku e.V.“ und „Zukunftskiez“ teil. Für einen Tag verwandelten sie die Jugendfreizeiteinrichtung „Drehpunkt“ in ein Jugend-Labor, im sich intensiv mit der Zukunft ihres Viertels auseinanderzusetzen.
Die Vielfalt der Teilnehmenden spiegelte die Heterogenität des Graefekiez wider: Kinder und Jugendliche im Alter von 11-17 Jahren mit unterschiedlichen Hintergründen, Perspektiven und Visionen kamen zusammen, um ihren Stadtteil aus neuen Blickwinkeln zu betrachten. Dabei standen das gemeinsame Erkunden, das kreative Entwickeln von Ideen und die Suche nach nachhaltigen Lösungen im Mittelpunkt.
Zu Beginn des Tages wurden in kurzen Gesprächen erste Interessen und Kompetenzen identifiziert, um möglichst vielseitige Teams zu bilden. Anschließend begaben sich die Gruppen auf eine Erkundungstour durch den Kiez. Dabei ging es nicht nur um das Sammeln visueller Eindrücke, sondern auch um akustische Wahrnehmungen, Gespräche mit Anwohnerinnen und Anwohnern sowie das bewusste Erleben öffentlicher Räume. Die zentrale Frage lautete: Wie würden wir diesen Ort gestalten?
Zurück im Drehpunkt wurden die gesammelten Eindrücke analysiert und reflektiert. Besondere Orte, Potenziale und Herausforderungen wurden auf einer interaktiven Kiezkarte zusammengetragen, die als Mindmap die Vielfalt der Wahrnehmungen und Ideen sichtbar machte. Mithilfe der Design Thinking-Methode entwickelten die Gruppen anschließend konkrete Konzepte für eine lebenswerte Nachbarschaft. Skizzen, Mindmaps und erste Projektideen entstanden auf Flipcharts und Post-its, wobei sich unterschiedliche Herangehensweisen zeigten: Während einigestrategisch dachten und nachhaltige Konzepte entwickelten, sprudelten andere vor kreativen Gestaltungsideen. Wieder andere setzten ihre handwerklichen und grafischen Fähigkeiten ein, um ihre Visionen greifbar zu machen.
Der Bildungstag verdeutlichte den Ansatz des Bildungsnetzwerks Graefekiez: „Lernen im Kiez – Lernen vom Kiez!“ Junge Menschen setzten sich aktiv mit Stadtteilgestaltung auseinander und entwickelten Ideen, die sowohl individuelle Bedürfnisse als auch gesellschaftliche Herausforderungen berücksichtigen. Dabei war allen Beteiligten bewusst, dass dieser Tag nur der Beginn eines längeren Prozesses ist.
Für das Jahr 2025 ist geplant, ausgewählte Ideen konkret in die Umsetzung zu bringen und gemeinsam mit den Jugendlichen weiterzuentwickeln. Damit wird ein zentraler Gedanke des Projekts Realität: Stadtentwicklung ist keine abstrakte Theorie, sondern ein aktiver, partizipativer Prozess. Lernen im Kiez bedeutet nicht nur, ihn zu verstehen – sondern ihn aktiv mitzugestalten.